Tipps und Erfahrungen im Umgang mit einem blinden Hund/Welpen

(von der Familie von Buddy buddy mit blindentuch2– ein ehemaliges Notfell von der BSNH e.V.)

  • Blinde Hunde sollten so normal wie möglich behandelt werden. Man sollte unbedingt vermeiden den Hund mit mitleidiger Stimme anzusprechen, denn das würde er spüren und es irritiert und verunsichert ihn! Den Hund auch nicht „in Watte packen“.
  • Der blinde Hund sollte seine Erfahrungen (kontrolliert) selber machen können.
  • Man darf ihn nicht vor Allem bewahren, auch wenn es mal ein bisschen wehtun könnte.
  • Er sollte jedoch schnellstens Warnkommandos wie ’Vorsicht’ oder ’Achtung’ und ’Halt’ lernen, das ist zu Anfang wichtiger als Sitz und Platz, denn damit kann man ihn bei Gefahr schnell warnen und stoppen.
  • In neuer Umgebung orientiert sich der Hund zu Anfang sehr an Geräuschen, häufige Ansprache und Kontaktaufnahme sind hier sehr wichtig. Menschen und andere Haustiere können kleine Glöckchen tragen, an denen sich der Neuankömmling orientieren kann. Der Hund sollte nur gerufen werden, wenn er seine Zweibeiner auf direktem und geradem Weg erreichen kann, also nicht um Ecken herum und es sollten auch keine Gegenstände im Weg sein. Es reicht auch nicht aus, nur einmal zu rufen, wir müssen dem Hund mit unserer Stimme so lange die Richtung vorgeben, bis er uns erreicht hat. In manchen Situationen braucht es viel Ermunterung, damit er sich zu uns auf den Weg macht und viel Lob und Belohnung, wenn er es geschafft hat.
  • Ein souveräner Ersthund wäre schön, das hilft gerade am Anfang, aber auch engagierte Zweibeiner können diese Aufgabe übernehmen!
  • Der blinde Hund hat 3 Sinne zur Verfügung: Gehör-, Geruchs- und Tastsinn.
    Letzterer ist nicht zu unterschätzen, unser Vierbeiner reagierte extrem bei wechselndem Untergrund (Gras, Erde, Steine, Asphalt, Holz), sobald sich ein Untergrund änderte, musste er beschnüffelt und ertastet werden. Wir haben festgestellt, dass unsere Fellnase schneller Vertrauen zu unbekanntem Untergrund/ Objekten aufbaute, wenn wir diese ‘Dinge‘  mit Händen oder Füßen abgeklopft haben - also Geräusche darauf machten, dann hat er schneller den Mut gefunden sich dem zu nähern bzw. darauf zu laufen. In für ihn neuen und unheimlichen Situationen hilft es, ihm mit beruhigendem Wort/ Satz zu signalisieren, dass alles OK ist und keine Gefahr droht. Wir verwenden die Worte ‘Alles ist gut‘. Als Welpe haben wir ihn niemals zu etwas gezwungen, was er (noch) nicht wollte! Mit den ersten Treppenstufen im Freien (es waren nur 2) hatte er sich sehr schwer getan. Sie rauf zu gehen war nicht so das Problem, aber runter war für ihn sehr schwierig, denn er musste ja ins Leere treten! Manchmal hat nur ein Zentimeterchen gefehlt, aber dies konnte er ja nicht sehen. Auch hier haben wir ‘geklopft‘, denn er sollte hören, dass es nicht tief ist. Sicher hätten wir ihn im Welpenalter auch noch drüberweg tragen können, aber was macht man dann später?!
  • Erste Erfolge haben bei uns nicht lange auf sich warten lassen, es geht Tag für Tag ein Stückchen voran und unser Alltag hat sich zusehends normalisiert.