Tipps und Erfahrungen im Umgang mit einem blinden Hund

Was kann man tun, wenn ein blinder Hund neu ins Haus kommt, oder der eigene Hund,

durch eine Augenerkrankung oder im Alter, erblindet oder sehbehindert ist.

Autor: Bärbel P. – Frauchen von Buddy und Fördermitglied bei BSNH e.V.

Buddy – unser ‘Blindfischchen‘

Im Januar 2014 kam Buddy blind auf die Welt. – Nur 10 Wochen später war er schon ein Notfell.

Wir bekamen einen Anruf von BSNH und wurden gefragt, ob wir uns vorstellen könnten einen kleinen blinden Welpen aufzunehmen. Ja – konnten wir. Uns blieben dann nur ein paar Tage, um uns ein bisschen auf einen Hund mit Handicap vorzubereiten, dann begann schon unsere ganz besondere und sehr intensive Zeit mit Buddy – unserem Blindfischchen Schnell wurden wir zu Pflegestellenversagern und Buddy durfte für immer bei uns bleiben.

Grundsätzlich gilt: Blinde Hunde sollten so normal wie möglich behandelt werden. Man sollte unbedingt vermeiden den Hund zu bemitleiden; und ihn auch nicht spüren lassen, dass etwas nicht stimmt. Das verunsichert die Tiere nur unnötig, denn sie können solche Emotionen nicht einordnen.

Ein blinder Hund sollte seine Erfahrungen (kontrolliert) selber machen können.

Man darf ihn nicht vor Allem bewahren, auch wenn er sich dabei vielleicht mal stößt und es ein bisschen wehtun könnte. Es ist aber sehr wichtig schnellstens Warnkommandos wie ’Vorsicht’ oder ’Achtung’ und ’Halt/Stop’ einzuführen, damit man ihn bei Gefahr schnell warnen oder stoppen kann. Das ist zu Anfang wichtiger als Sitz und Platz.

In einer neuen Wohnung/Umgebung orientieren sich blinde Hunde zu Anfang sehr an Geräuschen,

häufige Ansprache und Kontaktaufnahme sind hier sehr wichtig. Menschen und andere Haustiere können kleine Glöckchen tragen, an denen sich der Neuankömmling orientieren kann.

Wichtig ist, den Hund nur zu rufen, wenn er uns auch auf direktem und geradem Weg erreichen kann (nicht um die Ecke / keine Gegenstände im Weg). Es reicht dabei nicht aus ihn nur einmal zu rufen, wir müssen dem Hund mit unserer Stimme so lange die Richtung vorgeben, bis er uns erreicht hat.

In manchen Situationen braucht es viel Ermunterung, damit er sich zu uns auf den Weg macht und viel Lob und Belohnung, wenn er es geschafft hat.

Ein blinder Hund verfügt noch über 3 Sinne: Gehör-, Geruchs- und Tast-Sinn,

Der Tast-Sinn ist nicht zu unterschätzen. Unser Buddy reagierte extrem bei wechselndem Untergrund (Gras, Erde, Steine, Asphalt, Holz), sobald sich ein Untergrund änderte, musste er beschnüffelt und im wahrsten Sinne des Wortes ertastet werden. Wir haben festgestellt, dass Buddy schneller Vertrauen zu unbekanntem ‘Objekten‘ aufbaut, wenn wir diese für ihn mit unseren Händen oder Füßen abgeklopft haben – also Geräusche darauf machten. Dadurch hat er schneller den Mut gefunden sich näher ran zu trauen bzw. drauf zu laufen und alles selbst ‚abzutasten‘.

In neuen Situationen ist es sehr hilfreich, dem Hund zu signalisieren, dass alles OK ist und keine Gefahr droht. Bei uns waren es immer die Worte ‘Alles ist gut‘.

Wir haben Buddy niemals zu etwas gezwungen, was er (noch) nicht wollte. Mit den ersten Treppenstufen im Freien (es waren nur 2) hat er sich sehr schwer getan. Die Stufen rauf zu gehen war nicht das Problem, aber runter war für ihn sehr schwierig, denn er musste ja ins Leere treten! Manchmal hat nur ein Zentimeterchen gefehlt, aber das konnte er ja nicht sehen. Auch hier haben wir ‘geklopft‘, denn er sollte hören, dass es nicht tief ist. Sicher hätten wir ihn im Welpenalter auch noch drüber weg tragen können, aber was macht man dann später mit seinem ausgewachsenen Hund?!

Folgende Kommandos sind auch sehr hilfreich:

Bei ‘Achtung Stufe’ (z. B. Bordsteinkante) hob Buddy die Pfote an oder tastet sich runter (ob es nun hoch oder runter ging, hat er sich in bekannter Umgebung schnell gemerkt. In fremder Umgebung, bei Stufen oder einem steilen Weg/ Hang, hatten wir zusätzlich die Kommandos ‘Hoch‘ und ‘Runter‘).

Treppe‘ bedeutet, es kommen viele Stufen hintereinander.

Wir haben noch als RichtungshinweiseLinks‘ und ‚Rechts‘ eingeführt, denn unser Blindfisch lief auf den Gassirunde gerne ohne Leine vorneweg.

Die Entscheidung, einen Hund mit Handicap aufzunehmen, haben wir zu keiner Zeit bereut, und würden es auch immer wieder tun. Natürlich war es auch eine Herausforderung und hat uns einiges abverlangt, und manchmal haben wir für ihn auch auf Dinge verzichtet, die uns vorher wichtig waren. Aber wir haben durch Buddy auch so viel tolle neue Erfahrungen gemacht und unsere Umwelt viel intensiver erlebt und wahrgenommen – jeden Tag aufs Neue. Dafür sind wir sehr dankbar – ohne ihn hätten wir das nicht erlebt.

Leider hat uns unser geliebter Blindfisch viel zu früh verlassen.

Im Oktober 2018 bekam er eine Magendrehung und hat es trotz Not-OP nicht geschafft.

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Meine Empfehlungen

Blindenhalstücher gibt es z.B. hier:

http://www.hundumschick.de/Produkte/Blindenhalstuch/blindenhalstuch.html

So ein Tuch ist unterwegs sehr hilfreich bei Begegnungen, denn es fällt auf und die Menschen werden dadurch eher auf uns aufmerksam und verhalten sich rücksichtsvoller, auch wenn nicht jeder gleich weiß, was genau das Tuch am Hund bedeutet. Manche denken, wir haben einen ‘Blindenhund‘ und keinen blinden Hund.

Wir haben überwiegend positive Erfahrungen mit der ‘Kennzeichnung‘ gemacht.

Hilfreiche Tipps gibt es z.B. hier:

http://www.blinde-hunde.de/

https://senior-hunde.de/blinde-hunde-so-klappt-der-alltag/

Folgende Bücher kann ich empfehlen:

Blinder Hund – was nun? Ein Ratgeber zur Haltung und Erziehung von blinden und sehbehinderten Hunden Taschenbuch – 5. August 2009

von Nicole Horsky (Autor)

Siehst du es?: Leben mit einem blinden Hund Taschenbuch – 1. Juli 2012

von Corinne Egger (Autor), Romy Illi (Autor)